Ein ganz besonderer Blick auf die Anfänge der modernen Umweltforschung bot sich den Mitgliedern des Heimatkundevereins Eberswalde im Rahmen einer exklusiven Führung durch die „Meteorologisch-hydrologische Versuchsstation Drachenkopf“ in der Georg-Herwegh-Straße 17.

Geführt wurde die Gruppe von Dr. Jürgen Müller, der den Heimatfreunden die historischen Wurzeln und die heutigen, hochaktuellen Aufgaben der Station eindrucksvoll erläuterte.

Der Heimatkundeverein, betont zum Rundgang die Bedeutung dieses historischen Ortes für die Stadt Eberswalde:
„Die Versuchsstation auf dem Drachenkopf ist ein lebendiges Denkmal von weltweitem Rang, das direkt vor unserer Haustür liegt. Es ist faszinierend zu sehen, wie in Eberswalde bereits im 19. Jahrhundert Pionierarbeit geleistet wurde, deren exakte Messdaten uns heute dabei helfen, die regionalen Auswirkungen des Klimawandels zu verstehen und den Wald der Zukunft zu gestalten. Für unseren Heimatkundeverein zeigt dieser Besuch einmal mehr, wie eng die Eberswalder Stadtgeschichte mit internationaler Spitzenforschung verwoben ist.“
Eine Wiege der internationalen Forst- und Klimaforschung
Die forstmeteorologische Tradition in Eberswalde reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück und ist eng mit der Preußischen Forstakademie und Persönlichkeiten wie Friedrich Wilhelm Leopold Pfeil und Bernhard Danckelmann verbunden.
Bereits im Dezember 1875 begannen auf dem Drachenkopf die ersten kontinuierlichen meteorologischen Messungen. Damit wurden hier die weltweit ersten vergleichenden Untersuchungen zum Freiland- und Waldinnenklima ins Leben gerufen, die als Fundament für das Verständnis globaler und regionaler Klimazusammenhänge gelten.

Ein besonderer Höhepunkt der Führung war die Besichtigung der historischen Lysimeteranlage. Nach heutigem Kenntnisstand gilt die Anlage auf dem Drachenkopf als die älteste Lysimeterstation der Welt für forsthydrologische Zwecke. Schon 1907 begannen erste Messungen mit Kleinstlysimetern, bevor 1929 unter dem Institutsdirektor Julius Bartels eine große wägbare Anlage mit drei stahlblechernen Lysimeterkästen errichtet wurde.
Fasziniert zeigten sich die Vereinsmitglieder beim Blick in den 3,5 Meter tiefen Messkeller: Dort befinden sich noch immer die originalen, hochpräzisen Schaltgewichtswaagen (Kompensationswaagen). Obwohl die gesamte Anlage ein enormes Gewicht von rund 3.000 kg trägt, können die Bodenblöcke im Keller auf bis zu 100 Gramm genau gewogen werden. Auf diese Weise lässt sich die exakte Verdunstung, Versickerung und der Wasserhaushalt von Pflanzen im Detail dokumentieren.
Nach einer umfassenden Sanierung ist die historische Anlage heute wieder voll betriebsbereit und leistet einen unverzichtbaren Beitrag zur modernen Umweltüberwachung.
Hochaktuell im Zeichen des Klimawandels
Was vor 150 Jahren als forstliche Grundlagenforschung begann, hat in Zeiten spürbarer globaler Erwärmung eine dramatische Aktualität erlangt. Die jahrzehntelangen Eberswalder Datenreihen sind für die heutige Klimaforschung von unschätzbarem Wert.
Aktuell widmet sich die Station unter anderem der Frage, wie sich die zunehmenden Extrem-Sommer und anhaltende Trockenheit auf den Wasserhaushalt des Bodens und das Wachstum junger und unterschiedlicher Bäume auswirken.
Weitere Informationen finden sich auf der Webseite des Naturwissenschaftlichen Vereins Eberswalde: https://www.nwv-ebw.net/
Sebastian Heimann
